Ein Jahr Windows 8 – Persönliches Fazit

Im Februar 2012 gab Microsoft das Windows 8 Consumer Preview, eine Beta Version von Windows 8 heraus. Als einer der „Early Adopters“ habe ich mir diese Version herunter geladen und in einer Virtuellen Maschine installiert. Im Oktober 2012, dem Veröffentlichungsdatum von Windows 8, habe ich zwei meiner Windows 7 PCs auf  Windows 8 aktualisiert. Seit 2013 besitze ich zudem ein Asus Vivo Book mit Touchscreen und sammle seither Erfahrungen.

Als ich Windows 8 das erste mal ausgeführt habe war ich sprichwörtlich hin und her gerissen. Unter der Haube werkelt in Windows 8 ein, aus meiner Sicht, wirklich spektakulär verbesserter Betriebssystemkern. Egal ob es jetzt die verbesserten Boot- und Reaktionszeiten, die neue Druckerarchitektur, die Virtualisierungslösung Hyper-V, das neue Dateisystem (ReFS) oder schlicht die Verbesserungen der klassischen Oberfläche (Explorer) sind – allesamt Gründe auf Windows 8 zu setzen.

Andererseits war da diese neue Oberfläche, die damals noch den Namen der U-Bahn trug, und aus meiner Sicht völlig unbrauchbar für Desktop Arbeitsplätze fortgeschrittener Anwender ist. In Zeiten der Beta Phase hatte ich die Hoffnung, Microsoft würde mit der Beta Version Erfahrungen sammeln, und diese zur Verbesserung der Modern UI Oberfläche nutzen, denn hier stimmt mit Windows 8 definitiv etwas nicht. Zum einen werden Maus- und Touchaktionen in den Modern UI Apps nicht konsequent gleich behandelt – Zum anderen verlieren Anwendungen, die man bisher in Fensterform kannte, einen Großteil ihres Nutzens, sobald Sie als Modern UI App laufen. Im folgenden möchte ich hier ein paar Beispiele nennen.

Inkonsequente Behandlung von Maus- und Toucheingaben

Gleich als ich das erste Mal das Windows 8 Kachel-Startmenü gesehen habe, wollte ich instiktiv mit der Maus, die Kachelwand „verschieben“ um zu sehen, was da rechts noch an Apps versteckt ist – also scrollen. Ich habe es so versucht,  wie man es auch auf einem Touchscreen mit dem Finger machen würde. Ich habe also geklickt und die Maus nach rechts bewegt. Das Einzige, was passierte, ist dass sich die Kachel unter dem Mauszeiger verschoben hat. – Um diesen Effekt mit dem Touchscreen zu erzielen muss ich die Kachel wiederum über 2 Sekunden fest halten, erst dann lässt sie sich verschieben. – Damit ich mit der Maus den Startscreen scrollen kann, muss ich entweder umständlich die Scrolleiste oder das Mausrad benutzen. Wenn ich hier mal über den Tellerrand zu meinem Android Tablet PC sehe, muss ich feststellen: Alle Android Apps (und auch das Apps Menü) lassen sich gleichermaßen mit der Maus, dem Stift oder dem Tochscreen bedienen und ich muss nicht jedes mal Umdenken – ob ich nun eine Maus oder das Tablett selbst in der Hand habe.

Wenn das beschriebene Verhalten nur in Desktop Anwendungen, wie Outlook oder Excel zu beobachten wäre, würde ich das ganze noch – mit der Begründung, diese wurden ursprünglich für die Mausbedienung sowie Drag & Drop konzipiert, verstehen.

Verlorene Usability

Trotz aller Zweifel und Skepsis habe ich Google Chrome sowie Skype im Modern UI Modus installiert und mich Monate lang dazu gezwungen diese beiden Anwendungen zu nutzen. Eins vorab: Ich habe es nicht durch gehalten. Beide Anwendungen laufen mittlerweile wieder im Desktopmodus.

Fangen wir mal mit einem Screenshot an:

Ein Windows 8 Desktop mit 4 offenen Fenstern.
Ein Windows 8 Desktop mit 4 offenen Fenstern.

Dieser Screenshot zeigt einen normalen Desktop. Nachrichten lesen, chatten bzw. Videokonferenz, ein weiteres Fenster im Hintergrund, in dem Informationen einem aktuellen Thema stehen.  In der Taskleiste erkennt man dass weitere Anwendungen wie  Outlook der Explorer oder ein Bildbetrachter geöffnet sind. – Will man wissen, welche Fenster in einer Anwendung offen sind, führt man den Mauscursor über das Anwendungsicon und sieht die offenen Fenster (Aero Peek). – Neue Anwendungen starten – ganz einfach via Startmenü – die Laufenden Anwendungen bleiben sichtbar. (Mehr zum Startmenü unten.)

Nun das ganze mal in Windows 8 New UI:

Skype und Google Chrome sind geöffnet. Das Fenster / App Menü überdeckt Skype.
Skype und Google Chrome sind geöffnet. Das Fenster / App Menü überdeckt Skype.

Man kann nur noch maximal 2 Apps gleichzeitig darstellen. Das kann nur in einer fest vorgegebenen Zweiteilung erfolgen. Welche Anwendungen laufen, sieht man erst, wenn man umständlich mit der Maus in die obere Linke Bildschirmecke zeigt und die Maus dann langsam über das Icon nach unten bewegt. Einen Tastaturshortcut dafür gibt es meines Wissens nach nicht. – Welche Fenster oder „Bereiche“ einer App offen sind, sieht man wiederum erst, wenn man diese aktiviert. Ich kann also nicht auf einen Blick erkennen, welche neuen Sofortnachrichten eingegangen sind, oder welche Webseiten geöffnet sind. Es sei denn, ich öffne gleich die ganze App.

Skype ist an sich ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Anwendung mit der Modern UI Oberfläche an Nutzen verliert. Da ja immer nur ein „Bereich“ offen sein kann, können Sie nicht gleichzeitig mit mehreren Personen – unabhängig voneinander – chatten. Sie müssen pausenlos zurück in das Konversationsmenü und dort dann die jeweilige Sitzung öffnen. Das etwas passiert ist, erkennen Sie an dem organgenem Kreis oben rechts im Skype-Fenster. Um eine neue Konferenz zu beginnen müssen Sie zurück bis in das Hauptmenü und dort den Kontakt suchen. Wollen Sie das per Namenseingabe machen, müssen Sie Skype sogar vorab in den Vollbildmodus schalten, da diese (Such-)Funktion nur dann funktioniert. Leider beherrscht Skype für Windows 8 derzeit auch keinen Dateitransfer – und Kontaktanfragen kommen nicht richtig an. Ein Grund mehr, das klassische Skype für Windows zu verwenden.

Startmenü

Das Windows 8 auch im Desktop-Modus ohne Statmenü daher kommt, war ja schon 2012 klar. Die Lösung, dass man stattdessen den Windows 8 Kachel-Startscreen präsentiert bekommt, um neue Anwendungen zu starten ist wirklich alles andere als praktisch. Dadurch, dass sämtliche Anwendungen, die man offen hat, ausgeblendet werden – und der Bildschrim sich in einem völlig anderen Farbschema präsentiert, wird man abgelenkt und aus dem Arbeitsfluss geworfen.

Glücklicherweise eröffnet das Firmen wie zB. Stardock, die sich schon seit Jahren damit beschäftigen, die von Microsoft und IBM in die jeweiligen Betriebssysteme eingebauten Unzulänglichkeiten auszubessern, neue Geschäftsfelder. So kann man sich für 4,99$ (in Euro via PayPal) das Start Menü wieder nachrüsten. – Es gibt allerdings auch Freeware Anwendungen, die das ähnlich gut übernehmen.

Und nun weiter?

Ich persönlich finde die Tatsache, dass ich das Startmenü (das 1995 eine Revolution war) jetzt manuell nachrüsten muss rückschrittlich. Die oben beschriebenen Probleme machen meine Arbeit mit der Windows 8 Modern UI zumindest teilweise zur Tortur und senken die Produktivität. Da mein Arbeitgeber mich nicht dafür bezahlt in Menüs und Apps herum zu klicken (Wir verwenden zB. Skype für die Unternehmenskommunikation), ist die einzige Lösung, der Verzicht auf die Technologie. Ich bin offen für neues und komme mit iOS oder Android prima klar. Aber Windows 8 Modern UI und ich sind inkompatibel.

Mittlerweile geistern erste Berichte über Windows „Blue“ – den Nachfolger von Windows 8 – im Internet herum. Es soll schon Mitte des Jahres erscheinen und einige Änderungen in der Oberfläche beinhalten. – Hoffentlich fallen diese auch für Desktopanwender brauchbar aus. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren…

3 Gedanken zu „Ein Jahr Windows 8 – Persönliches Fazit

  1. Zu >>> Inkonsequente Behandlung von Maus- und Toucheingaben

    Sorry , weiss überhaupt nicht , ganz gleich was Sie da schreiben, wo denn ein Problem sein sollte. Ich kann die Kritik überhaupt nicht nachvollziehen.

    >>> Ich bin offen für neues und komme mit iOS oder Android prima klar.

    Dazu sage ich wer mit einem FEHLER IN ALLEN DETAILS ANDROID klarkommt, na der sollte aber mit Windows8 in allen Belangen keine ernsteren Probleme haben. Android ist doch ein Garaus und es sieht auch noch überall anders aus, ne ne ne dann doch lieber Windows 8 …

    best regards

    1. Nun, die Probleme mit Windows 8 kommen sicher von der seit vielen Jahre gewohnten und antrainierten Arbeitsweise mit Tastatur und Maus sowie Touchscreens anderer Systeme. Bei bestimmten Aktionen erwartet man eine bestimmte Reaktion. Wenn diese dann nicht eintritt, oder sogar noch etwas völlig anderes passiert entsteht genau dieser Eindruck.

      iOS und Android reagieren ungefähr gleich auf Touch eingaben. Mausaktionen behandelt Android exakt so, wie Touch-Eingaben. Windows hingegen differenziert hier in der Eingabemethode.

      Wenn Sie Mac OS kennen, werden Sie auch da gewisse Unterschiede fest stellen, die den Mac einerseits handlicher machen, andererseits für PC Anwender sogar fremder. Ich finde hier ist ein gutes und sehr einfaches Beispiel die Eingabe des @ Zeichens. Drückt man auf dem Mac, die Tastenkombination, die auf dem PC ein @ erzeugt, (Alt+Q) schließt der Mac die offene Anwendung. (Cmd+Q)

      Was Android betrifft muss ich Ihnen Recht geben. Leider entsteht durch die diversen, von den Telefonherstellern erzeugten Derivate, eine sehr inhomogone Landschaft. Genau deswegen ist Android Open Source (AOSP) auch ein für mich positiv zu bewertender Trend. Erste Hersteller liefern jetzt diese Android Version aus, damit sich nicht alles anders anfühlt oder aussieht.

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