Was steckt hinter dem „Superbook“?

Das Superbook an einem Android Handy
Das Superbook an einem Android Handy

Auf Kickstarter macht gerade eine neue Crowd-Funding Kampagne die Runde. Es geht um das Superbook, eine Ergänzung für Smartphones und Tablets, die aus dem mobilen Gerät einen vollwertigen „Laptop“ schnitzen soll. Das ganze zum unschlagbaren Preis von 99$. (Deutsche Unterstützer müssen noch ca. 30$ für den Versand dazu legen.)

Doch was steckt im Superbook und wie funktioniert es? Welche Alternativen gibt es?

Die Hardware

Das nicht ganz 1 Kilo schwere Superbook wird ein aus Plastik gefertigtes Gehäuse besitzen. Dieses kann in den Farben „Gold“ und „Blue“ (Dunkelblau) bestellt werden. Im Inneren des Gehäuses will der Anbieter ‚Andromium Inc.‘ einen 11,6″ Bildschirm in wahlweise 786p oder 1080p Auflösung unterbringen. Die 1080p Option kostet 30$ mehr.

Des weiteren Stecken im Gehäuse ein Lithium Akku der 10 Stunden halten soll und ein Display-Link Chip, zu dem wir später kommen. An Eingabegeräten soll ein Multitouch-Trackpad und eine Tastatur mit speziellen Android Tasten (Home, Zurück, Menü und Task-Liste) untergebracht werden. Für welche Länder eine eigene Tastaturbelegung verfügbar sein wird, steht im Moment noch nicht ganz fest. QWERTY (US) sowie einige „andere“ sollen unterstützt werden.

An Anschlüssen bietet das Superbook einen USB Typ C sowie einen USB Typ A Anschluss. Letzterer wurde vom Anbieter hinzugefügt, als eine Finanzierung über 500’000$ sicher gestellt wurde. Über den USB-C Anschluss wird das Telefon/Tablet während der Verwendung mit dem Superbook auch gleich aufgeladen.

Weitere Merkmale der Hardwareausstattung sind derzeit nicht bekannt.

Die Voraussetzungen

Rein technisch gesehen, ist das Superbook nach meinem aktuellen Verständnis eine DisplayLink Dockingstation im Laptop-Design. Jede Plattform, für die DisplayLink einen Treiber anbietet, sollte daher auch Funktionieren. Display Link Treiber gibt es derzeit für Windows, MacOS, ChromeOS, Ubuntu Linux und Android. – So ist in der Kickstarter Kampagne auch ein Video eines Windows 10 Tablets zu sehen, das an einem Superbook hängt.

Damit man das SuperBook an sein Smartphone oder Tablet anschließen kann, muss dieses zwingend die sogenannte USB-On The Go (OTG) Funktion unterstützen. OTG ermöglicht es dem Telefon / Tablet andere USB Geräte, die angeschlossen werden, zu nutzen. Das Funktioniert heutzutage idR. zB. mit USB-Speicher-Sticks, Tastaturen, Netzwerkkarten und Mäusen.

Und tatsächlich kann man mit dem oben verlinkten Android Treiber und einem DisplayLink Dock schon heute ein Android Tablet oder Smartphone an einen Bildschirm nebst Peripherie anschließen.

Das ganze habe ich gerade einmal ausprobiert – und es funktioniert in der Tat recht passabel. Der Bildschrim des Telefons wird mithilfe der DisplayLink Demo App 1:1 auf das Display-Link Dock gespiegelt. Leider kann man aktuell die Auflösung des Bildschirms noch nicht abweichend von der des Android Gerätes einstellen. Der Bildschirm sollte also in etwa die gleiche Auflösung unterstützten, die auch das Telefon / Tablet nutzt. Auch kann man das Android Gerät nicht abschalten, da sich so der Bildschirm sperrt.

Hier bin ich gespannt, wie Andromium Inc das Problem beim Superbook löst.

Die Software

AndromiumOS
AndromiumOS

Andromium Inc arbeitet bereits seit einiger Zeit an einer Android App namens AndromiumOS. AndromiumOS besteht aus einer eigenen App, sowie aus einem zusätzlichen Launcher. Die App stellt auf dem Android Gerät eine alternative Oberfläche zur Verfügung, die sich an der eines Desktop Betriebssystems orientiert. Der Launcher wird zwischen den eigentlichen Telefon-Launcher installiert, er dient dem Abfangen aller „Home-Button“ Aktionen, die an das AndromiumOS weiter gereicht werden.

AndromiumOS bietet eine eigene SDK, die es App-Entwicklern erlaubt, die eigene Anwendung besser in die Desktopoberfläche zu integrieren.

AndromiumOS benötigt mindestens Android 5. Damit es einigermaßen passabel läuft, wird ein Dual-Core Prozessor mit 1,5GHz und 1,5GB RAM empfohlen. Es läuft allerdings auch auf langsameren Geräten – entsprechend langsam.

Fazit

Nahezu monatlich überbieten sich Tablet und Smartphone Hersteller mit neuen Spitzenmodellen, die gemessen an der Rechenleistung bereits bequem mit Netbooks und anderen Budget-PCs mithalten können. Mithilfe des Superbooks mann man diese Rechenleistung nun auch in Form eines Laptops nutzen.

In der Kickstarter Kampagne dreht sich alles um die reine Hardware des Superbook. Man kauft sich also ein DisplayLink Dock im Laptop Format. Der Preis dafür ist – gemessen an der Ausstattung – sehr gering. Ein ein normales DisplayLink Dock schlägt schon mit ca. 100€ zu Buche. – Und da ist dann kein Display, ein Akku, ein Touchpad oder eine Tastatur enthalten.

Dem Superbook fehlen dafür allerdings wiederum ein paar Komponenten, wie zB. die Soundkarte oder der Ethernetanschluss. Beides ist aber auch beim mobilen Einsatz nicht nötig bzw. schon im Telefon/Tablet enthalten.

Die Idee ein Telefon/Tablet mithilfe eines Docks in einen kompletten PC zu verwandeln ist nicht neu – so gibt es zB. von Microsoft das DisplayDock für Windows 10 Telefone – neu ist jedoch die Umsetzung als Laptop. Ebenfalls neu ist die „AndromiumOS“ App, die zusätzlichen Nutzen stiften soll, indem Sie dem Android Gerät eine Desktop-Oberfläche verpasst.

Leider ist die App im Moment noch nicht ausgereift. Gerade die Verwendung von „normalen“ Android Apps wie Facebook oder dem ES-Datei Explorer ist recht hakelig. Da machen es andere, auf den Desktopbetrieb ausgelegte Android-Derivate wie zB. RemixOS schon besser.

Doch auch ohne diese App ist das Superbook eine enorm sinnvolle Ergänzung. Personen, die keinen zusätzlichen Laptop kaufen oder mit sich herum tragen wollen und dennoch nicht auf die Vorzüge eines größeren Bildschirms und einer echten Tastatur verzichten möchten, kommen hier auf ihre Kosten.

Natürlich steht auf einem Android-Gerät nicht das Software Ökosystem eines Windows oder MacOS Rechners zur Verfügung. Doch die Android-Ableger der „großen Anwendungen“ wie Word, Excel, VLC, Firefox und Chrome haben in letzter Zeit erheblich ihren Funktionsumfang angeglichen und erfüllen für Gelegenheitsanwender im wesentlichen die gleichen Anforderungen wie ihr PC Pendant.

Für iOS gibt es im übrigen keine DisplayLink Treiber, daher wird wohl auch die Verwendung des Superbooks (oder anderer DisplayLink Docks) baw. Windows und Android Telefonen und Tablets vorbehalten bleiben.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s