P8000 / P8000 Compact

Von meinem Kollegen Matthias Z. habe ich 2 seltene und äußerst interessante P8000 Rechner von EAW bekommen. Die P8000 wurde in der DDR als Unix Workstation mit bis zu 8 Terminals genutzt. Im Inneren werkelt ein DDR Clone des Z8000 Prozessors.

Von der P8000 existieren insgesamt 4 Versionen in verschiedenen Ausstattungsvarianten:

  • P8000 8 Bit (Ohne Festplatte; Betriebssysteme: OS/M (=CPM) und UDOS)
  • P8000 16 Bit (Mit Festplatte in externem Gehäuse; Betriebssysteme: OS/M; UDOS und WEGA (=Unix))
  • P8000 Compact 8 Bit (wie P8000 8Bit)
  • P8000 16 Bit (Wie P8000 16 Bit jedoch sind WDC und Festplatte im Hauptgerät mit unter gebracht.)

Abgesehen von kleinen technischen Änderungen, der Unterbringung des WDC (Winchester Disc Controller) sowie der Festplatte in einem 2. Gehäuse und abweichenden Firmware Versionen sind P8000 und P8000 Compact also identisch.

Bei den Geräten, die ich bekommen habe, handelt es sich zum einen um eine 16 Bit P8000 inkl. Festplatten Beistellgerät und zum anderen um eine 16 Bit P8000 Compact mit integrierter Festplatte. Dazu kommen noch jeweils ein EPROMMer (Die P8000 war als Entwicklungssystem ausgelegt und daher konnte man damit auch ROM Chips programmieren.) sowie jeweils ein Drucker und insgesamt 3 P8000 Terminals.

Das Gehäuse der normalen P8000 sowie des zugehörigen Festplatten Beistellers war stark zerkratzt. Auch schienen beide Geräte nicht trocken genug gelagert worden zu sein. Das Metall im Inneren (und unter dem Lack der P8000) war oxidiert und auch einige der Schaltkreise hatten schon bessere Tage erlebt.

Dennoch, so selten wie diese Rechner sind, sollte man sich an die Restauration wagen.

Die Gehäuse gingen, kurz nachdem die Geräte bei mir angekommen waren, gleich zum Pulverbeschichten. Diese geniale Idee hatte mein Bekannter Karsten J. Dabei werden die alten Teile von Rost und Lackresten befreit und danach mit einer Pulverbeschichtung neu beschichtet. Diese ist fester als normaler Lack. Nach ein paar Tagen kamen die Teile auch schon wieder: Wie Neu. Ein wirklich lohnenswerter Einsatz. Die Kosten belaufen sich auf nicht mehr, als was man auch bei einer professionellen Lackiererei bezahlen würde. – Der Lack der P8000 Compact war zwar etwas vergilbt, hat aber gehalten. Eine Behandlung mit Handelsüblichen Reinigungsmitteln (Scheuermilch) und Wasser reichte aus.

Technisch gab es wieder erwarten wenig Probleme. Eines der Netzteile in der P8000 wollte nicht mehr, ein Diskettenlaufwerk war defekt und wie bereits oben erwähnt hatten einige einfache Logikschaltkreise den Dienst eingestellt.

Das größte Problem bei der technischen Instandsetzung bereiteten die Festplatten. Durch die Ungünstige Lagerung waren beide defekt. Beim Einschalten der Stromzufuhr tourten beide Platten hoch, konnten aber die Köpfe nicht ausparken und schalteten somit wieder ab. Ein kleiner Elektromagnet ist der Grund. Wie ich nachträglich erfuhr weisen viele der heute noch existierenden P8000 Festplatten dieses Problem auf. Man kann es zwar temporär beheben um zB. noch die Daten der Originalplatte zu sichern. Auf Dauer ist jedoch keine Lösung bekannt. – Außer der Einbau einer neuen MFM Festplatte. Daher habe ich auch gleich ein paar MFM Festplatten mit passender Kapazität besorgt. Leider werden diese nur von der alten P8000 Firmware (Version 3) unterstützt, welche nicht zur Ausführung des neuesten WEGA Betriebssystems genutzt werden kann. Daher musste zunächst WEGA 3.0 auf den P8000 installiert werden. Dazu brennt man mit der P8000 und dem zugehörigen EPROMMER zunächt einen Satz Firmware Eproms für den WDC. Die Firmware für bestimmte Festplattentypen liegt der WEGA Installation bei. Diese EPROMs steckt man anschließend auf den P8000 WDC und dann kann es los gehen, mit der WEGA Installation.

Die WEGA 3.0 Installation besteht aus einer Bootdiskette sowie 8 Installationsdisketten. Vor der eigentlichen Installation muss die Festplatte Formatiert (mittels des Tools sa.format), Verifiziert  (sa.verify) und Partitioniert (sa.mkfs) werden. Danach kann man mit der Installation beginnen. (sa.install) – Dabei werden die 8 Disketten in die einzelnen Verzeichnisse entpackt. Die Dauer der Installation (nur Dateien entpacken) kann man mit gut einer Stunde angeben.

Bis ich keine passende MFM Festplatte mit über 40 MiB Kapazität bekomme, die auch in der P8000 Compact mit der Firmware 4.2 läuft wird es mit WEGA 3.1, welches eigentlich auf die P8000 Compact gehört also leider nichts. Ich könnte zwar WEGA 3.0 installieren und vorher die Firmware „downgraden“ aber das wäre ja dann eher ein gewisser Rückschritt.

3 Gedanken zu „P8000 / P8000 Compact

  1. „Ich könnte zwar WEGA 3.0 installieren und vorher die Firmware “downgraden” aber das wäre ja dann eher ein gewisser Rückschritt.“

    Sind diese Computer an und für sich nicht schon ein gewisser Rückschritt? *gg*
    Aber respekt, sowas bekommt man heute ja kaum noch und für einen Entwickler und jemanden der sich mit der Materie auskennt ist sowas sicher sehr interessant (ich für meinen Teil bin ja auch nicht gerade unbedarft, was DOS, Linux/UNIX angeht – aber bei sowas wüßte ich echt nicht, was ich damit anfangen sollte – wahrscheinlich würde ich diese „Kisten“ noch nicht mal ankriegen *grins*)

    Aber nichts desto trotz finde ich es schön, das es Leute gibt, die sich immer noch mit sowas auseinandersetzen und sich um den Erhalt so alter Rechner kümmern – so gerät ein Teil Computergeschichte und das Wissen das Wissen darum wenigstens nicht in Vergessenheit – für den Schrott definitiv viel zu Schade.

    Viel Spaß noch bei diesem wirklich sehr aussergewöhnlichen Hobby und weiter so.

    1. Nun, abhängig davon, unter welchem Aspekt man die Geräte betrachtet sind Sie entweder total veraltet und keinen Heller mehr wert oder aber interessante und einzigartige Zeugen einer längst vergangenen Epoche der Informationsverarbeitung, für die so mancher Liebhaber heute schier unglaubliche Summen zu zahlen bereit ist.

      Aus meiner Sicht kann man an diesen Geräten immer noch sehr schön das Hardware-nahe Programmieren lernen. Zum anderen bietet sich die Möglichkeit etwas tiefer in die Materie der Mikroelektronik einzusteigen.

  2. Hallo,

    vor über 20 Jahren haben wir bei uns im Kraftwerk auch so einen P8000 gehabt. Wir haben damit ein Produktionsinformationssystem zusammengebaut. Die Kollegen auf den Leitständen mussten in der Nacht ihre erzeugte Energie usw. eingeben. Dafür habe ich damals unter C mit Hilfe des Curses-Paketes Redabas-ähnliche Eingabemasken erstellt. Morgens warfen dann Werkdirektor, Parteisekretär usw. die Terminals an und nach ein, zwei Minuten – 1 MB Ram war gut gefüllt, wenn im Hintergrund mit awk die Daten aggregiert wurden😉 – waren die Tages- und Monatsplanerfüllung zu sehen.

    Lang ist her, aber eben der erste Kontakt mit UNIX und seinen vielen Möglichkeiten. Der vi ist heute noch mein Lieblingseditor (als vim).

    Gruß

    Ralf

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